Gespeichert unter: Gesellschaft, Politik | Schlagworte: Friseur, Geiz, Inflation, Kellner, Mindestlohn, Postmindestlohn, Putzfrau, Trinkgeld
So, hier nun meine Meinung zum Mindestlohn:
Zuerst einmal möchte ich betonen, dass ich selbst noch nicht ganz sicher bin, ob ich für oder gegen den Mindestlohn bin. Denn er hat natürlich viele Vor- und Nachteile. Wie sehr man die einzelnen Kriterien gewichtet entscheidet dann, ob eine Einführung sinnvoll ist oder eben nicht. Ich habe diese Gewichtung noch nicht gemacht und habe deswegen noch eine ziemlich offene Meinung dazu.
Aber: Die Argumente und die Aussagen des Volkes zu diesem Thema sind in den meisten Fällen ein Witz. Beispiel Postmindestlohn. Die Postboten sollen besser bezahlt werden. Ok. Das passt ja soweit. Mit der Begründung, dass die Unternehmen (also die Post) eh schon zuviel verdienen. Das kann ja gut sein, aber ich verrat euch mal was: Die Unternehmen werden ihre Rendite deswegen nicht schmälern lassen. Sie werden weiterhin schauen, dass die Kohle reinkommt. Über das Streichen von Zusatzleistungen, Preiserhöhungen oder andere Maßnahmen, die entweder den Kunden mehr kosten oder den Mitarbeitern etwas nehmen. Der Postmindestlohn hat nur dafür gesorgt, dass es keinen freien Wettbewerb in der Branchen geben kann. „Klar sind wir bereit weiterhin 0,55€ für einen Brief zu zahlen“ sagt dann das Volk, „Ich schick nur 3 Briefe im Monat. Das kann ich mir leisten“. Ok, aber was ist, wenn die Post dann die Beträge erhöht, weil kein Wettbewerb da ist? Dann steigen die Kosten für die Unternehmen. In den Mengen, in denen Post versandt wird, machen dann auch 10% mehr Portokosten auch ganz schön was aus. Also was machen die? Preise erhöhen oder Löhne senken. Natürlich ist der Anteil, den das Volk und die Unternehmen für die Post ausgeben nicht so hoch, also können wir das gerne schultern.
Aber was ist denn mit den Friseuren? Glaubt ihr wirklich, ihr könnt euch noch für 10€ die Haare schneiden lassen, wenn die Friseuse auf einmal 7,50€ verdient? Oder der Kellner, dessen Gehalt von 4€ auf 7,50€ fasst verdoppelt wird. Glaubt ihr, der Wirt wird es einfach hinnehmen, dass er weniger Gewinn macht? Die Putzfrauen verdienen auch mehr, was dazu führt dass die Personalkosten im Unternehmen steigen. Das heisst, bei der nächsten Gehaltserhöhung heisst es dann auf einmal, das kein Budget mehr dafür da ist.
Haben die Friseure, Putzfrauen und Kellner (und viele mehr) es denn nicht auch verdient, dass die sich ein besseres Leben leisten können? Doch, natürlich. Aber seid euch bewusst, dass dieses höhere Gehalt aus eurer Tasche gezahlt wird. Ich bin auch bei einem 10€ Friseur. Aber ich gebe der netten Dame, die mir die Haare schneidet immer nochmal 2€ extra. Da bei mir ein Haarschnitt 20-30 Minuten dauert, würde das bei 2 Kunden pro Stunde 4€ mehr Stundenlohn ausmachen. Wenn Sie also davor nur 6 bekommen hat, dann hat Sie auf einmal schon 10€ pro Stunde. Und das liegt doch sogar über den 7,50€, die gefordert werden.
Wenn du für 10€ zum Friseur gehst und ein Trinkgeld hinterlässt. Oder dem Kellner nur 0,30€ bei einem Rechnungsbetrag von 9,70€ gibst, dann solltest du nicht so sehr nach Mindestlohn schreien. Denn DU kannst damit anfangen, das Leben derer, die weniger verdienen, besser zu machen. Oder bring doch mal deiner Putzfrau bei dir im Betrieb was nettes mit, einfach weil sie dir immer dein Büro sauber macht. Jeder, der bereit ist das zu machen, der kann nach einem Mindestlohn schreien.
Gespeichert unter: Gesellschaft, Politik | Schlagworte: ALG II, Arbeitslosengeld, Arbeitslosigkeit, Gehalt, Gerechtigkeit, Mindesltlohn, Postmindestlohn, Sozialstaat, Sozialwesen
In einem tollen Blog von verdi (weiss leider die URL nicht mehr) hab ich eine Diskussion zum Thema Postmindestlohn bzw. Mindestlohn allgemein gelesen. Die ganze Dikussion ist doch voll von Heuchelei und völliger Unkenntnis von betriebswirtschaftlichem, aber auch volkswirtschaftlichem Basiswissens. Alle schreien, sie wollen den Mindestlohn. Die häufigsten Argumente:
- Arbeit muss sich lohnen
- Man muss von seinem Gehalt leben können
- Die Unternehmen verdienen so viel, das Volk soll am Gewinn teilhaben
Auf den ersten Blick klingt das doch total vernünftig. Wer keinen Anreiz hat zu arbeiten, der wird sich auch nicht darum bemühen, wer 60 Stunden die Woche arbeitet, aber sich keine Wohnung und Essen leisten kann, der wird ungerecht behandelt und die Unternehmen haben doch eine Verantwortung gegenüber dem Volk (siehe Grundgesetz §14 Abs. II). Imho sind das aber völlig bescheurte Argumente. Natürlich möchte ich das nicht einfach so stehen lassen, sondern auch noch begründen:
Zu 1:
Wenn ich diesen wundervollen Satz höre „Arbeit muss sich lohnen“, dann bekomm ich total die Krise. Schon in der Bibel steht: „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“. Das heisst nicht, dass wir die, die nicht können nicht unterstützen sollen. Nein. Das heisst, dass man sich gefälligst aufmachen, seinen eigenen Unterhalt zu verdienen und nicht von der Gemeinschaft leben soll. Ein guter Bekannter von mir ist völig entrüstet darüber, dass ich ihn zu einer Ausbildungsstelle in Stuttgart empfohlen habe, weil er schon seit mehreren Jahren keinen Ausbildungsplatz findet. Da müsste er doch umziehen (der Mann ist 25 Jahre alt!). Als ich ihm sagte, dass es doch seine Pflicht ist, für sein Lebensunterhalt zu sorgen hatte er nur erwidert, dass der Staat dafür verantwortlich ist, ihm entweder eine Arbeitsstelle in seiner Nähe anzubieten oder ihn durch zu füttern. Als ich ihm erklärte, dass meine Sozialabgaben für seine Faulheit zahlen entgegnete er nur „DU hast ja wenigstens nen Job“. Klar, ich bin aber auch nach Stuttgart gezogen. Sowohl für ihn, als auch für mich waren das 50km. Also da hat ja keiner verlangt, dass er seine Heimat aufgibt.
Zu 2:
Klar muss man von seinem Gehalt leben können. Es wäre doch unverantwortlich, dass man arbeitet und trotzdem verhungert oder dass es einem ins Dach reinregnet. Aber was heisst den bitte schön „leben“. Heutzutage heisst „leben können“ doch : Jeder hat sein eigenes Zimmer (mind. 15qm), jeder hat einen Fernseher und auch noch ein weiteres Mulitmediagerät seiner Wahl, sprich PC, Stereoanlage oder PS2 bzw. 3. Natürlich brauch auch jeder einen Highspeed Internetzugang und Kabelfernsehen. Was will ich denn den öffentlich rechtlichen? Zu Mittag gibt es Döner von der Dönerbude am Eck für 3,50€, weil der andere Döner, bei dem es nur 3€ kostet, der ist 10 Minuten entfernt. Ohne neuestes Handy, das einen Vertag voraussetzt ist man ja eh ein Aussätziger und ohne Markenklamotten gibts ja auch keine Freunde. Und wie soll man den arbeiten können, wenn man nicht mind. 1 Mal im Jahr in den Urlaub fliegt? Das ist doch unmenschlich.
Ich denke jeder versteht, dass ich hier etwas übertreibe. Aber mal im Ernst, die Leute haben doch einfach einen zu hohen Lebensstil. Ich sage nicht, dass es keine echte Armut in Deutschland gibt. Aber 80% der Menschen, die in Deutschland in „Armut“ leben haben im Monat fast genau so viel Geld über ALG II wie ich als Student (und ich finanzier mich selbst!). Ich habe mir soeben die Mühe gemacht und mein Nettogehalt mit ALG II verglichen. Ich habe nach Abzug von Miete und Heizungskosten ca. 80€ im Monat mehr als ein alleinstehender ALG II Empfänger. Wenn man bedenkt, dass ich zur Arbeit (BA-Student) einen Anzug tragen muss, jeden Tag die ÖPNV zur Arbeit nutzen muss und auch noch Gebühren für das Studium zahlen muss (nicht Studiengebühren, dafür nehm ich nen Kredit), dann hab ich am Ende sogar etwas weniger auf der Hand. Und man glaubt es kaum: Ich habe Internet, Telefon, Handy und da ich das alles hab, hab ich auch Freunde, mit denen ich fortgehen kann (IRONIE: Ich habe die Freunde nicht nur wegen dem Zeug!). Mir tun die Leute, die wenig verdienen ja unheimlich Leid. Wenn ich so wenig verdienen würde und meinen Kindern all diese Dinge nicht bieten könnte, dann fänd ich das ja auch wirklich traurig. Aber die Grundsicherung ist allemals gegeben. Und die ersten 6 Jahre meines Lebens habe ich auch mit meinen beiden Geschwistern in einem ca. 15 qm Zimmer gewohnt. Da war meine Schwester auch schon 10 Jahre alt, mein Bruder 8. Also geht es denn auch so. Und auch jetzt wohne ich in einer 48qm Wohnung. Zu zweit. Das sind immerhin 12qm unter dem, was laut ALG II noch als angemessen gilt. Und was soll all das, was ich gerade geschrieben habe? Es zeigt, dass man auch von seinem Geld leben kann, wenn man nur 650€ netto hat (alleinstehend). Laut dem Brutto-Netto-Rechner sind das 823,32€ brutto im Monat und dabei darf man sogar in der Kirche sein. Bei einer 40-Stunden-Woche würde das einen Stundenlohn von 5,15€ machen. Das ist meiner Meinung nach das Mindestmaß. Wer weniger als 5,15€ verdient, der wird finanziell sogar bestraft, also im Vergleich zu ALG II. Alles, was auch nur einen Cent darüber geht, das sollte aus Gründen der Fairness gegenüber der zahlenden Gesellschaft als Job akzeptiert werden. Denn mit Job besteht ja immer die Chance auf eine Verbesserung der Lebenssituation. Ohne Job kanns ja auch keine Lohnerhöhung geben. Übrigens, ich hatte in meinem ersten Jahr KEINE 823,32€ verdient!
zu 3
Das ist immernoch das schönste Argument. Denn was sind denn die Unternehmen? Sind das große Monster, die aus dem All kamen und uns nur Böses wollen? Nein Unternehmen gehören Leuten. Sie gehören dem Volk. Klar, meistens gehören die nur einem kleinen Teil des Volkes. Aber woran liegt das? Das Volk konsumiert lieber das ganze Geld, anstatt es anzusparen. Wer sich mein „zu 2″ angeschaut hat, der sieht, dass man auch mit wenig auskommen kann. Also, alle die von euch, die single sind und mehr als 823,32€ im Monat verdienen, IHR habt die Chance Teil der Unternehmen zu werden. Jeder, der auch nur 50€ netto mehr im Monat hat, der kann im Laufe seines Arbeitslebens (40 Jahre) einen Anteil an den Unternehmen von 95.875,04€ ansparen. Ich hab das mal mit 6% Rendite berechnet und das ist auf jeden Fall zu erreichen. Somit seid ihmit fast 100.000€ an den bösen Unternehmern beteiligt. Ok, dann ziehen wir noch die Steuer ab, dann sind wir bei 77906,28€. Immer noch eine ganze Menge. Aber ich muss auf Konsum verzichten. Und was bedeutet das dann? Das bedeutet, ihr seid Teil der Unternehmen. IHR könnt mitentscheiden, welche Löhne gezahlt werden. IHR könnt dann selbst entscheiden, ob ihr lieber mehr Geld haben wollt oder ob ihr dem kleinen Hans doch einen höheren Stundenlohn gibt.
Mir ist klar, dass dieser Beitrag sehr kritisch ist und die Probleme der einzelnen Arbeitslosen und Geringverdiener nicht beachtet. Mir ist auch klar, dass manche nicht einmal 5,15€ die Stunde verdienen. Und ich respektiere jeden, der arbeitet, obwohl er auf Kosten der Solidargemeinschaft mehr haben könnte. Aber wenn hier einer anfängt rum zu heulen, von wegen, er drifte in die Armut ab, verdient aber 1500 netto und hat ein Haus geerbt, dann lache ich ihn nur aus. Denn vielen auf der Welt geht es hundsmiserabel.
Leider bin ich nicht auf den Aspekt des Mindestlohns eingegangen, auch wenn ich das geplant hatte. Habe mich wohl etwas vom ursprünglichen Gedanken abtreiben lassen. Aber meine Güte, ich bin auch kein bezahlter Autor, also werde ich das ganze Ding nicht nochmal überarbeiten.
Meine Gedanken zum Mindestlohn kommen mit dem nächsten Eintrag. Sorry an alle, die nicht das bekommen haben, was sie erwartet haben.
